Schlagwort: installation

  • shasti

    shasti

    shasti (they/them/dia) ist eine in Jakarta geborener Künstlerin, Organisatorin und DJ, die zwischen Berlin und Bochum lebt. Shasti’s Arbeit im Bereich der digitalen Kunst umfasst Performance, audiovisuelle Live-Sets und Multimedia-Produktionen wie Klang und Mixed Realities. shastis Werke schaffen eine Form der Hauntologie, in der die Beziehung zwischen Magie, Technologie, Körper und Gemeinschaft eine politische Wiederverzauberung darstellt. In Zusammenarbeit mit der 3D-Künstlerin songxin schufen sie eine Welt, die von Erinnerungen und der revolutionären Vision von Geistergeschichten geprägt ist. Dia’s Arbeit „Phantom Power“ verbindet digitale Stimmveränderung mit der performativen Verkörperung des Monströsen und war in mehreren Produktionen zu sehen, darunter „Virtual Healing Hub“ von dgtl fmnsm sowie „Unreal Conditionals“ von Janne Kummer und g.h0st.damXg. Derzeit arbeitet shasti am Kunstmuseum Bochum als Mitarbeiter*in für digitale und hybride Kunstvermittlung.

    Ein audiovisuelles Set, das DJing und VJing miteinander verbindet. Das DJ-Set selbst ist eher auf das Erzählen von Geschichten ausgerichtet. Ich beschäftige mich mit den Themen Träume, Fantasie und Isekai – der Vorstellung, in die Spielwelt versetzt zu werden. Anstatt dies als Realitätsflucht darzustellen, biete ich eine Perspektive der Wiederverzauberung an.

  • Olaf Val

    Olaf Val

    Olaf Val (geb. 1968 in Hanau) studierte Kunst in Kassel und schloss sein postgraduiertes Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln ab. Seit 1996 stellt er regelmäßig aus, darunter bis 2014 auch international, arbeitet seit 2003 als freischaffender Künstler und lehrt seit 2004 als Dozent. Von 2012 bis 2022 war er aktives Vorstandsmitglied des Kasseler Kunstvereins, für den er u. a. Einzel- und Gruppenausstellungen kuratierte. Seither hat sich sein künstlerisches Interesse auf ökologische Fragestellungen verlagert, die er zunehmend auch im Medium der Soundart verfolgt – mit dem Anliegen, eine poetische Wertschätzung der Umwelt durch Klang erfahrbar zu machen.

    THRESH()LD In einer Zeit, in der gesellschaftliche und ökologische Systeme zunehmend unter Druck stehen, entwickelt das Mehrkanal-Klangobjekt THRESH()LD eine akustische Sprache für die Erfahrung struktureller Fragilität. Die Installation erkundet jene kritischen Grenzbereiche, in denen Materialien, Körper und soziale Gefüge kurz vor dem Zusammenbruch stehen – einen Zustand, der sich als „Weltrisikogesellschaft“ beschreiben lässt. Anders als viele raumgreifende Klanginstallationen bündelt Threshold seine Energie in einem kompakten, skulpturalen Körper. Die Arbeit entfaltet sich nicht durch Ausdehnung, sondern durch Verdichtung: Ihre geringe Größe fordert ganz bewusst die Annäherung. Erst wer sich nähert, erfährt die feinen Schwingungen, Spiegelungen und klanglichen Prozesse. So wirkt die Skulptur weniger wie ein Lautsprechersystem als wie ein künstlerisch-technischer Körper, in dem physikalische Prozesse und subjektive Wahrnehmung aufeinandertreffen. THRESH()LD verwandelt die kontemplative Kunstbetrachtung in eine kollektive Belastungsprobe. Die dissonaten Klangfrequenzen fordern die physischen und psychischen Toleranzen der Besucher*innen heraus und machen die eigenen Schwellenwerte unmittelbar spürbar. Damit positioniert sich THRESH()LD als kritische Intervention in einer Zeit multipler Krisen: Es macht hör- und fühlbar, was oft abstrakt bleibt. Die Installation wird so zu einem Instrument, das die Verschiebungen unserer Gegenwart registriert und in eine intensive sinnliche Erfahrung übersetzt. 12 Kanal-Audio-Objekt Plugdata-Sketch mit einer generativen Komposition 1 Raspberry Pi 5 2 ESI Gigaport eX Audio-Interfaces 6 ZHITING 200W TPA3116 Verstärker 8 VISATON SC 10N Hochtöner 4 LAVOCE Bastreiber mit aufgeklebten Spiegeln

  • Anja Kellner und Hakon Hennig

    Anja Kellner und Hakon Hennig

    Anja Kellner ist eine vielseitige Künstlerin, deren interaktive Installationen, kinetische Arbeiten und Medienkunst gesellschaftspolitische Themen wie Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und die Auswirkungen der digitalen Revolution auf den Alltag reflektieren. Der Arbeitenzyklus „Deja-Vú Tabula Rasa“ verdeutlicht ihre Fähigkeit, künstlerische Visionen mit technologischen und sozialen Innovationen zu verbinden. In Installationen wie „Auge um Auge“ oder „Forced Swing“ erzählt sie mit Klängen von Erinnerungsfragmenten und Resonanzkatastropen. Bei der Entwicklung der „LiSe – dem Lichtsensor“, der Blinden neue Barrierefreiheiten erschließt, stellt sie ihr kreatives, technisches Können unter Beweis. Mit künstlerischer Sensibilität greift sie umweltpolitische Themen bei der Konstruktion alternativer „dye-sensitized solar cells“ auf. Ihre künstlerische Forschungsarbeit fließt in Projekte, wie „Power Plant“, einemultimediale Installation, bei der über mikrobielle Brennstoffzellen CO2 negative Energie erzeugt. Das Perpetuum Mobile stellt als positive, utopische Erzählung dar zur Bewältigung der Klimakrise. Ihre Erfahrungen fließen in eine Gastdozentur im Wintersemester 2024/25 zu den Themen „Internet of Things“ und „Klangwelten“ an der Kunsthochschule Kassel. Ebenso hat die langjährige Tätigkeit in der Hakon Hennig, Elektronikentwickler und Künstler mit einem Hintergrund in Elektrotechnik und Fotografie ergänzt diese Perspektive durch seine technische Expertise. Seine Mitwirkung an Tarek Atouis Projekt „Metastable Circuit 1“ (documenta 13) sowie bei Kunstinstallationen wie „Gespräch unter vier Augen“, „Erraquisition“ oder „ComfortClock“ zeigt seine Fähigkeit, technische Systeme in künstlerische Kontexte zu integrieren. Transparenz und die Offenlegung technischer Bauteile und Schaltungstechnik prägen sein künstlerisches Arbeiten. Mit der Entwicklung einer Vakuumkammer für Elektronenbeugung und der Konzeption einer innovativen Schaltung für sein Polarskop stellt Hakon sein tiefgründiges und umfassendes Verständnis für komplexe Systeme eindrücklich unter Beweis. Diese Komplexität wird in den kinetischen Arbeiten ästhetisch greifbar.

    Magnetic Light Score Ausgangspunkt des Projekts ist die Untersuchung analoger Videotechnologien als klangliche und bildgebende Instrumente. Im Zentrum steht ein Videorekorder, der nicht ausschließlich als Speichermedium verstanden wird, sondern als elektro-mechanischer Resonanzkörper. Seine Schaltungen, Magnetköpfe und Signalpfade bilden ein System, in dem Bild, Licht und Klang kontinuierlich ineinandergreifen. Eine Live-Kamera erzeugt ein permanentes Videosignal, das unmittelbar durch den Videorekorder geleitet und auf einem Röhrenmonitor ausgegeben wird. Parallel dazu werden Lichtimpulse des Bildsignals in akustische Ereignisse übersetzt. Helligkeitsverläufe, Kontraste und zeitliche Veränderungen werden zu Frequenzen, Impulsen und kontinuierlichen Klangstrukturen transformiert. Das audiovisuelle System entwickelt sich dadurch zu einer geschlossenen Feedback-Architektur, in der sich Bildproduktion und Klangproduktion gegenseitig beeinflussen. Das Projekt versteht Übersetzung nicht als verlustfreie Übertragung von Information, sondern als materiellen Prozess. Jeder Übergang zwischen Licht, elektrischem Signal, Magnetisierung und Schall verändert die Eigenschaften des Ausgangsmaterials. Die Apparatur produziert keine Repräsentation, sondern eine Folge physischer Transformationen, deren ästhetische Qualität unmittelbar aus den Eigenheiten der verwendeten Technologien entsteht. Das Licht hört zu wenn der Videorekorder zum Instrument wird. Kein Archiv, sondern ein atmender Resonanzkörper. Eine Kamera blickt in den Raum und schreibt die Gegenwart in magnetische Spuren. So entsteht eine Partitur. Das Licht komponiert sich selbst. Am Ende bleibt kein aufgezeichnetes Bild und keine abgeschlossene Komposition. Es bleibt ein Kreislauf. Ein fortwährendes Lauschen zwischen Licht und Klang, zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen dem, was sichtbar wird, und dem, was schon immer hörbar gewesen ist.

  • Kollektiv eigenklang

    Kollektiv eigenklang

    Kollektiv eigenklang entstand 2017 in der Kasseler Subkultur, als die Gründungsmitglieder im Rahmen der documenta fourteen zusammenfanden, um die Möglichkeiten von organischem Live-Looping und partizipativer Musik zu erforschen. Aus diesem Anfang entwickelten sich die eigenklang-Installation und eine gemeinsame Mission: interaktive Happenings zu schaffen, bei denen das Publikum Kunst und Kultur nicht nur konsumiert, sondern aktiv an ihrer Entstehung teilhat. Das Kollektiv setzt sich zusammen aus schmackhaften multidisziplinären künstlerischen Grundzutaten und wird je nach Ort und Kontext durch befreundete Künstlerinnen verfeinert und abgeschmeckt. Neben der eigenklang-Installation arbeiten die Künstlerinnen mit visuellen Installationen, inklusiver Kunst- und Medienpädagogik sowie professionellen (360°-)Audio- und Videoproduktionen. Sie sind spezialisiert auf inklusive Community-Arts-Projekte, verfügen über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung und gestalten Multimedia-Produktionen, die für alle Teilnehmenden zugänglich sind. Interaktion und Improvisation sind wesentliche Elemente ihres künstlerischen Schaffens. In über acht Jahren hat Kollektiv eigenklang mehr als 300 eigenklang-Happenings mit tausenden Menschen in den unterschiedlichsten Kontexten und Ländern veranstaltet – von Clubs, Festivals und Galerien über Wohnprojekte, Straßenkreuzungen und Flussschiffe bis hin zu Regenwaldlichtungen – und dabei die technische Installation sowie die interaktive Performance kontinuierlich weiterentwickelt. Kollektiv eigenklang bewegt sich im Bereich der Community Arts und Community Music, semi-nomadisch zwischen Touring und Gemeinschaftsleben. Das Kollektiv lebt und produziert im ländlichen Brandenburg, arbeitet auf Schloss Bröllin – einem internationalen Kunstproduktionsort – und ist unterwegs zwischen Leipzig und Berlin, immer wieder zu Gast bei verschiedenen Projekten und Gemeinschaften. Diese Lebensweise spiegelt ihr Engagement für authentische Gemeinschaftsarbeit wider und lässt jedes eigenklang-Happening vom jeweiligen kulturellen und sozialen Kontext geprägt werden.

    eigenklang ist eine interaktive audiovisuelle Erfahrung, die sich schwer beschreiben lässt. Aufgrund wechselnder Settings, unterschiedlichster Teilnehmerinnen und des Forschungsdrangs des dahinterstehenden Kollektivs ist jede Erfahrung anders: Soundspielplatz, musikalisches Teambuilding, ganz persönliche Klangtherapie oder kollektiver Audiotrip. Der technische Vorgang bleibt immer derselbe: Alle Teilnehmenden sind über Funkkopfhörer mit einem binauralen Mikrofon im Zentrum der Installation verbunden – einer menschlichen Discokugel, die alles hört, was um sie herum geschieht. Mit Loops, Effekten, Samples und Synthesizern entstehen faszinierende Klangwelten, die zum Eintauchen einladen. Die Teilnehmenden können lauschen und genießen oder sich mit der eigenen Stimme, dem Atem, Bewegungen oder jedem anderen Klang einbringen – als Musikerinnen, visuelle Künstlerinnen, Tänzerinnen oder in jeder Ausdrucksform, die entsteht. eigenklang experimentiert mit neuen Formen interaktiver musikalischer Happenings und verwischt die klassischen Grenzen zwischen Zuhörenden und Künstlerinnen, Musik und Zufall, Realität und Wahrnehmung. Jedes Happening ist eine Übung in Gleichberechtigung und nonverbaler Kommunikation durch Klang – denn Musik war schon immer die Sprache, die alle verstehen. Die spielerischen Räume verwandeln das Publikum von passiven Zuhörenden in verspielte Musikerinnen und – hoffentlich – in ein fantastisches Orchester der Klänge. Verwurzelt in der Kasseler Subkultur, wo das Kollektiv während der documenta fourteen (2017) zusammenfand, kehrt eigenklang mit dem RANGE Festival nach Hause zurück: eine interaktive audiovisuelle Installation mit Funkkopfhörern, offen für kollektives Erforschen – ein experimenteller Spielplatz für die Sinne, eine Einladung an die verspielte Seele und für manche auch Therapie. Wir laden euch ein auf eine Klangreise zu Orten, die ihr noch nie erlebt habt.

  • Samuel Goldbourne / djfroggy69

    Samuel Goldbourne / djfroggy69

    Ich mag es, ein Gefühl der Fülle zu erzeugen, deshalb setze ich oft auf viele Schichten. Das kann zum Beispiel so aussehen: Ein Track dient als Grundgerüst des Mixes, darüber gelegt wird ein weiterer Track, der die Mitten übernimmt, und ein dritter, den ich in den Höhen platziere. Und dann füge ich von Zeit zu Zeit Gesang hinzu. Ich bewege mich gerne von sphärischen, assoziativen, nicht-figurativen Elementen hin zu direkter Erzählung. Mehrkanal-Installationen fühlen sich wie die logische Fortsetzung des Mixens als DJ an. Mixen, aber gedacht in einem räumlichen Kontext, in dem man je nach Körperposition eine andere Version des Stücks hört. Kunst zusammensetzen, wobei jeder Teil ein Sample ist, ein Stück einer Collage. Lautsprecher positionieren, Samples positionieren, Besucher positionieren. Klang als ein Phänomen, zu dem man sich hinpositionieren kann. Meine Erfahrung als ein Erlebnis, zu dem man sich hinpositionieren kann. Samples, die ich als Erzählungen verwende, positioniere und verzerre ich, verschiebe und verlege – man kann sich darauf ausrichten. Klangmaschinen lassen einen intensiver fühlen, entlang eines breiteren Spektrums an Emotionen als jemals zuvor im 20. Jahrhundert. Klanglich gesehen ist das posthumane Zeitalter kein Zeitalter der Entkörperlichung, sondern genau das Gegenteil: Es ist eine Hyperverkörperung, vermittelt durch den Technics SL 1200. (P00(-002), Kodwo Eshun, More Brilliant Than the Sun: Adventures in Sonic Fiction, 1998)

    Phänomenologie und die Platzierung von Objekten und Klängen im Raum – Collage und Sampling als Praxis der Kontextualisierung – Kontextualisierung und Phänomenologie – Mein queerer Körper im Kontext – Creolite – Kreolisierung – christlich – Klang und Phänomenologie – Bühnenbild – Ich glaube weder an die Hölle noch an den Himmel. Ich glaube an Liebe und an Gemeinschaft, daran, im Unrecht Recht zu haben und Dinge auszuprobieren. Ich glaube, dass weiße Vorherrschaft das Dazwischen auslöscht. Ich glaube an Veränderung und ich glaube an Hoffnung. Ich glaube, dass man verändern kann, wie man seinen Fokus verlagert, wie der Blick gerichtet ist, wie man sein Handeln anpasst. Ich glaube, dass sich vieles verändert hat, in dem Moment, als ich Liebe in meinen Blick auf meinen Körper und meine Queerness legte. Ich glaube an den Nutzen von Wut und an die Kraft des Erotischen (Audre Lorde). Ich glaube daran, dass meine Freunde und meine Familie entscheidende Faktoren für Veränderung sind. Ich glaube, dass Angst eine zerstörerische Kraft ist. Ich glaube tatsächlich an Freundlichkeit und Ehrlichkeit. Ich glaube an die Dekolonialisierung des Geistes. Ich glaube, dass man weder im Kapitalismus noch in der weißen Vorherrschaft Liebe finden wird. Ich glaube, dass die Zerstörung der weißen eurozentrischen/westlichen Vorherrschaft in unseren unmittelbaren Gemeinschaftsstrukturen beginnt. Werkangaben: Papa, kannst du mich hören?, 2026, 8-Kanal-Klanginstallation, 30 Min., Puppe, 4 verschiedene Zines in 4 verschiedenen Farbvarianten, FIMO-Blumen, Ausschnitte von Johann Sebastian Bach, Minnie Ripperton, Eraserhead, Heaterlady, Motherlode, Sunday Service Choir, Yulola, Muva Earth, Halloween-Geräusche

  • Sven Berg aka monoyama

    Sven Berg aka monoyama

    Sven Berg ist ein deutscher Sound-Artist, der unter dem Namen monoyama arbeitet. In seiner künstlerischen Praxis untersucht er Klang eher als Zustand denn als Medium. Durch Reduktion, autonome Systeme und räumliche Installationen erforscht er, wie sich die Wahrnehmung verschiebt, wenn Klang als Struktur, Verhalten und Material verstanden wird. Im Zentrum seiner Praxis steht die selbst entwickelte Mobile Laser Projection Machine (MLPM) – ein System, das Frequenzen durch mechanische Transduktion in präzise Lichtgeometrien übersetzt. Digitale Daten, elektromagnetische Signale, weißes Rauschen und aufgezeichnete Objekte dienen ihm als Material für Arbeiten, in denen Klang über das Hören hinaus wahrnehmbar wird. Anstatt Narrative zu produzieren, offenbaren die autonomen Systeme ihre eigene interne Logik. Klang, Licht und Raum fungieren als miteinander verbundene Zustände, wodurch verborgene Beziehungen durch minimale Intervention und präzise technologische Prozesse sichtbar werden. Seine Installationen und Performances schaffen Bedingungen, in denen Klang, Licht und Raum als ein einziges System perzeptibel werden.

    MLPM – Kinetische Raum-Installation begreift Klang nicht als flüchtiges Medium, sondern als unnachgiebigen, raumspezifischen Zustand. Die Arbeit löst die Grenze zwischen auditiver Vergänglichkeit und skulpturaler Präsenz radikal auf. Über drei eigenständig entwickelte Maschinen werden analoge Audiosignale mittels mechanischer Transduktion direkt in messerscharfe Lichtlinien übersetzt. Vergleichbar mit der physischen Reibung einer Vinyl-Nadel in der Schallplattenrille arbeiten die Apparaturen mit echter physikalischer Materie statt digitaler Perfektion, um Frequenzen in präzise Geometrien aus Licht zu zwingen und Klang jenseits des Hörens perzeptibel zu machen. Im Zentrum der Arbeit steht die Verschiebung der menschlichen Wahrnehmung zwischen Sehen, Hören und Fühlen. In der totalen Dunkelheit des Raumes übernimmt das Auge die Führung: Die Rezipienten sehen den Klang als Struktur, noch bevor das Ohr das Signal entschlüsselt. Gleichzeitig wandert das Signal als tiefe, somatische Vibration direkt in den Körper. Das Publikum konsumiert keine Narrative, sondern wird Teil eines synästhetischen Systems, bei dem das Auge die körperliche Erschütterung des Raumes regelrecht voraussieht. Durch eine unendliche Programmschleife agieren die drei Maschinen völlig autark und offenbaren ihre eigene interne Logik. Die unbarmherzigen Lichtlinien schneiden durch das Gefüge und fragmentieren die Sichtachsen der Betrachter. Es entsteht eine minimale Intervention von maximaler technologischer Präzision, die Klang, Licht und Raum als ein einziges, zusammenhängendes System erfahrbar macht.

  • Allen Homburg, Sidney Mantei, Samuel Julian Grace

    „Zwanzig bis Zweitausend“ untersucht das Erleben von Klang jenseits der auditiven Wahrnehmung. Dabei werden die technologischen Eigenschaften von Subwoofer und Tieftöner genutzt, um in einer kontrollierten Umgebung tieffrequente Klänge zu erzeugen. Bei angemessener Lautstärke lassen sich tieffrequente Klänge ebenso mit dem Körper spüren wie mit dem Ohr hören und vermitteln so ein intensives multisensorisches Erlebnis. Die unmittelbare Wirkung von Bass und Subbass auf den Körper sowie die Beziehung des Körpers zum architektonischen Raum stehen im Mittelpunkt dieser Gemeinschaftsarbeit von Allen Homburg, Samuel Julian Grace und Sidney Mantei. Jeder der Künstler hat eine ausgedehnte Komposition beigesteuert, die speziell für die Wiedergabe in einem Frequenzbereich zwischen 20 Hz und 2000 Hz konzipiert wurde.

    Ein Subwoofer, 125 × 40 cm; zwei Woofer, 120 × 30 cm

    2026

    Dauer: Loop

    Sidney Mantei 

    Sidney Mantei ist ein Sound- und Medienkünstler, der an der Kunsthochschule Kassel seit 2022 studiert. Neben den bildenden Künsten arbeitet der 29-jährige Heidelberger Künstler an mehr musikalischen Formaten. Durch ein intensives Verhältnis zur Popmusik der 80er Jahre entwickelt Sidney Mantei eine zeitgenössische Reflexion, die das Verzerren von Formaten und Besetzungsformen als integrales künstlerisches Mittel nutzt. 

    Allen Homburg 

    Allen Homburg ist kasseler Klangkünstler und Musiker. Seine künstlerische Praxis besteht aus performativen Formaten, Kompositionen und Forschung zur Klangerzeugung. Starke musikalische Einflüsse sind für den armenisch abstammenden Künstler die elektronische Tanzmusik, Folk Musik der Ashughs.

    Samuel Julian Grace

    Samuel Julian Grace is an Irish–Salvadoran artist based in Germany, working primarily with sound. His practice explores how people experience and make sense of artworks, how perception, attention, and understanding unfold over time. Rather than producing fixed objects, Samuel creates active works that change through interaction, inviting viewers, listeners and the environment to.